Ein Brief sorgt für Irritationen

Kürzlich haben wir über den Engpass in der Bereitstellung von Wohnraum berichtet. In einer Anfrage der Fraktion DIE LINKE im Kreistag, wie die Versorgungssituation mit Unterbringungsmöglichkeiten vor dem Hintergrund der zahlenmäßigen Entwicklung von der Kreisverwaltung beurteilt werde, antwortet der Kreisbeigeordnete Carsten Müller: „Aufgrund der sich abzeichnenden Steigerung von Neuzuweisungen von Flüchtlingen reichen die vorhandenen Unterbringungskapazitäten nicht mehr aus. Der Kreis Offenbach und die kreisangehörigen Kommunen bemühen sich derzeit um die Neuanmietung von geeigneten Objekten. Durch Zusammenlegungen und die Reduzierung von Quarantäneplätzen sollen zusätzliche Unterbringungsplätze geschaffen werden. Zudem werden anerkannte Personen und Familien aufgefordert, sich um privaten Wohnraum zu bemühen.jedoch durch die große Nachfrage nach Wohnraum und gestiegene Mietpreise erschwert.“

Vor diesem Hintergrund hat ein Schreiben der Kreisverwaltung an Geflüchtete in Gemeinschaftsunterkünften, die sich im SGB II-Bezug befinden, einige Irritationen ausgelöst. Darin werden die Empfänger aufgefordert, sich selbst um eine Wohnung am freien Wohnungsmarkt zu kümmern.

Nicht wenige der Empfängerinnen und Empfänger haben diesen Brief als Aufkündigung ihres Zimmers in der Gemeinschaftsunterkunft bzw. als eine Vorstufe dazu verstanden. Die Kreisverwaltung hat inzwischen aber klargestellt, dass es sich keinesfalls um eine Kündigung handele . Auch werde niemand „auf die Straße gesetzt“.

Mit dem Schreiben soll aber wohl schon Druck aufgebaut werden, weil in der nächsten Zeit eine größere Zahl von Geflüchteten – meist aus Afghanistan – dem Kreis Offenbach zugewiesen werden. Vielleicht handelt es sich auch um die gedankliche Vorbereitung auf Unannehmlichkeiten und Spannungen, die mit zunehmender „Verdichtung“ in den Gemeinschaftsunterkünften zu erwarten sind.

Auch wenn der Brief keine Kündigung darstellt – was auch rechtlich gar nicht ohne weiteres möglich ist – hat er doch nicht nur bei den Geflüchteten zu Irritationen und Sorgen geführt. Auch viele Helferinnen und Helfer zeigten sich betroffen. Es wäre gut, wenn der Kreis Offenbach in dieser Sache zu einer Klärung beitragen könnte.

Kommentare sind geschlossen.